Zwerg-New Hampshire Goldbraun

Zwerg-New Hampshire

Leistungsstarke Schönheiten

VON PETER JAHN

Ein grüner Rasen, darauf weiße Zwerghühner mit feurig roten Gesichtern und leuchtend gelben Läufen – Herz, was willst du mehr? Sie lieben keine weißen Zwerghühner? Es geht auch in verschiedenen Braunfärbungen über den Körper mit feiner schwarzer Zeichnung im unteren Halsbehang, dazu grünglänzende schwarze Schwanzfedern, die Gesichter ebenfalls rot, wie bei den weißen Artgenossen und gelbe Läufe. Und dann, um die Schwärmerei noch fortzusetzen, legen die Hennen bereits noch vier bis fünf Monaten recht stattliche bräunliche Eier. Neugierig geworden? Natürlich ist die Rede von Zwerg-New Hampshire.

„Leistung und Schönheit“ heißt es bei der Großrasse, eben genau so wie man es sich im Zuchtbuch vorstellt. Leistung und Schönheit verkörpern auch die Zwerge. Dazu kommen Frohwüchsigkeit, Zutraulichkeit und problemlose Haltung. Ist der Auslauf grün, reicht ein Zaun von einem Meter Höhe. Hähne können lange zusammen laufen, ohne dass sie sich jagen oder beißen. Auf den Geschmack gekommen, dann auf am dritten Wochenende zur Deutschen Junggeflügelschau in Hannover. Dort werden einige Hundert Hähne und Hennen der Rasse zu bestaunen sein. Der Siegerring wird in diesem Jahr auf Zwerg-New Hampshire vergeben. Da wollen alle Züchter dabei sein, der Sonderverein will ein großes Fest feiern und alle sind dazu eingeladen.

Nun ein bisschen zur Geschichte und Entwicklung der New Hampshire und Zwerg-New Hampshire.
Zwerg-New Hampshire Geschichte
Seit dem zweiten Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts ist die Großrasse in Amerika bekannt. Eine Wirtschaftsrasse mit guter Legeleistung und gutem Fleischansatz, genau das was man heute wieder sucht, das typische Zweinutzungshuhn: Eier und Sonntagsbraten. 1947 kommen die ersten Bruteier und Eintagsküken über den großen Teich. Es soll aber noch vier Jahre bis zur Anerkennung dauern. Am Ende der 50er Jahre geht es in Westdeutschland wirtschaftlich steil aufwärts, Zwerghühner werden immer beliebter. Also machen sich engagierte Züchter daran Zwerg-New Hampshire zu züchten. Mit kleinen Tieren der Großrasse und unter Zuhilfenahme anderer bereits existierender Zwerghuhn-Rassen gehen sie ans Werk. Zwerg-Wyandotten, Zwerg-Rhodeländer, Zwerg-Leghorn, Zwerg-Barnevelder und Zwerg-Italiener stehen Pate. 1961 wird der goldbraune und 1965 der weiße Farbenschlag anerkannt. Heinrich Langhorst aus Diepholz, Arthur Riedel aus Rethem/Aller, Ernst Roller aus Gärtringen sind in der Bundesrepublik maßgeblich beteiligt. Otto Liebing aus Gräfenhain, ein Pionier der Rassegeflügelzucht in Thüringen, muss durch die Teilung des Vaterlandes unabhängig von den Westdeutschen Zuchtfreunden arbeiten. Elf Jahre vergehen, dann stellt er 1962 den Antrag auf Anerkennung. Doch er ist noch nicht am Ziel: 1965 bei der Lipsia muss Otto Liebing seine Tiere unter „nicht anerkannter Rassen“ ausstellen. Am 26. Januar 1966 werden die Zwerg-New Hampshire auch in Ostdeutschland anerkannt.

Zwerg New-Hampshire Weiß
Bis zur Deutschen Einheit blieben die Zwerge im Osten unter einem Dach mit der Großrasse. Im Westen zunächst vom SV der New Hampshire-Züchter mitbetreut, gründete sich 1967 der SV der Zwerg-New Hampshire-Züchter.
Intensiv wird in beiden Teilen des Landes an der Verbesserung der Zwergrasse gearbeitet. Zunächst gibt es beim goldbraunen Farbenschlag ein Größenproblem, auch die Farbe, dabei vor allem die Mantelfarbe der Hennen und der Dreiklang der Hähne, muss verbessert werden.
Dunklem Untergefieder, Sattelzeichnung, rußigen Decke und zuletzt angeschobenen Kehllappen gilt es züchterisch zu begegnen. Es dauert einige Zeit bis es gelingt. Bei aller Arbeit an der Schönheit, die Leistung wird nicht vergessen. Ein Beispiel: Als die weißen Zwerg-New Hampshire in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu puppig sind und die Leistung darunter zu leiden droht, wird konsequent und mit Erfolg dagegengehalten.

Gewünscht ist eine elegante Form mit harmonischer, nicht absetzender Ober- und Unterlinie. Die Oberlinie verläuft bei einer Seitenansicht von einem kräftigen, nicht plump wirkenden Hals über den hohlrunden, breiten, etwa zwei bis drei Finger breiten mittellangen Rücken, in der Sattelpartie ohne jegliche Unterbrechung ansteigend, bis hin zum höchsten Punkt des mittellangen, vollen, breit angesetzten Schwanzes. Dieser ist aufgebaut aus möglichst breiten Steuerfedern und ebensolchen Nebensicheln sowie nicht zu langen Hauptsicheln. Der typische Beineinbau beim Zwerg-New Hampshire-Huhn soll Verwechslungen mit anderen Rassen nicht zulassen – und dies insbesondere beim weißen Farbenschlag gegenüber den weißen Zwerg-Barneveldern. Bei diesen stehen die Ständer in der Mitte des Körpers. Bei den Zwerg-New Hampshire sind die Beine so eingebaut, dass sich etwa drei Fünftel des Körpers davor und zwei Fünftel dahinter befinden. Von vorne gesehen sollen sowohl bei den Zwerg-Hamps, wie die Rasse von ihren Züchtern oft liebevoll genannt wird, Hahn als auch Henne genügend Standbreite und Brustfülle aufweisen. Sie stehen mittelhoch mit entsprechender Schenkelfreiheit. Die Flügel sind mittelgroß und werden gut geschlossen, waagerecht am Körper getragen.

Nun zu den Kopfpunkten. Diese sind klein, das Gesicht ist glatt, fein im Gewebe, rund und rot. Der Schnabel ist kräftig, gelblich bis rötlich-hornfarbig getönt. Der mittelgroße Kamm sitzt fest auf mit vier bis sechs möglichst breit angesetzten, gut geschnittenen Zacken. Die Kammfahne folgt der Kopflinie ohne aufzuliegen. Die Kehllappen sollen faltenfrei und ebenso wie die gut durchbluteten roten Ohrscheiben mittelgroß sein. Weiße oder Emaille zeigende Einlagerungen stören das Bild.

Forderte der erste Standard für den weißen Farbenschlag der Zwerg-New Hampshire noch eine rahmweiße Farbe, so ist heute ein reines Silberweiß gefordert. Schwarze Einlagerungen lassen die reine Farbe erkennen, sollen aber das äußere Gesamtbild nicht beeinträchtigen. Braune Einlagerungen sind keinesfalls erwünscht und werden vom Preisrichter gestraft.

Goldbraune Hähne zeichnen sich durch einen goldbraun gefärbten Kopf und Halsbehang aus. Im unteren Teil des Behangs muss etwas schwarze Zeichnung vorhanden sein. Diese ist verdeckt und nur selten leicht sichtbar. Flügeldecken, Schultern sind tiefglänzend kastanienbraun, dazu kommt als dritte Komponente des für die Rasse typischen Dreiklangs der Sattelbehang, der etwas dunkler ist als ist der Halsbehang. Der Sattel darf keine Zeichnung aufweisen. Der übrige Körper, also Brust, Schenkeln und Bauch zeigen ein helleres Goldbraun. Einen feinen Hahn machen tiefschwarze und grünglänzende Steuern und Sichelfedern aus.

Gruppe Zwerg-New Hampshire Goldbraun
Die Hennen der goldbraunen Zwerg-Hamps sind etwas heller und stets gleichmäßiger gefärbt als die Hähne. Die Mantelfarbe entspricht etwa der Brustfarbe der 1,0. Nur der Halsbehang hebt sich davon goldgelb ab. Obwohl die Flügeldecken dunkler sind, als das Mantelgefieder, einen Dreiklang gibt es bei den Hennen nicht, dieser wird auch nicht angestrebt. Die schwarze Halszeichnung der Hennen ist auf das untere Drittel des Behangs beschränkt, gut sichtbar und fein. Grobe Schaftstrichzeichnung, zu hoch reichende Halszeichnung und solche, die zwischen die Schultern ausläuft, sind nicht gewollt.
Probleme mit dem Untergefieder, das früher teilweise noch gräulich-dunkel war oder mit Ruß auf den Decken kennt man beim heutigen Zuchtstand nicht mehr. Auch dass die Mantelfarbe bei hoher Legeleistung und die gelbe Lauffarbe nachlassen, ist nicht mehr zu beobachten, seit es die Impfung gegen Kokzidien gibt. Es ist davon auszugehen, dass diese Phänomene früher vermutlich der Erkrankung und der Behandlung mit Medikamenten geschuldet waren. Die Steuerfedern der Hennen sind schwarz mit grünem Glanz wie bei den Hähnen. Bleibt die Zeichnung der Schwingen. Dabei sind die Armschwingen nach innen schwarz gezeichnet, die Handschwingen umgekehrt. Da wir es bei den Zwerg-New Hampshire mit einem reduzierten Columbia Faktor zu tun haben, zeigen die Hähne einen deutlicheren schwarzen Farbanteil in den Handschwingen als die Hennen.

Für denjenigen, für den sich dies alles vielleicht etwas kompliziert anhört, keine Angst, die Zwerg-New Hampshire sind gut durchgezüchtet und apartes Huhn, das in beiden Farbenschlägen nicht zuletzt durch sein Wesen und die Leistung viel Spaß macht. Natürlich gibt es immer etwas zu verbessern aber das genau macht eben auch den Reiz des Züchtens aus. Unter der Führung des Sondervereins hat sich die Rasse schnell nach vorn entwickelt, viele Hürden konnten genommen werden, auch wenn es nicht immer einfach erschien. Dazu auch ein Beispiel: die Kehllappen. Von Züchtern und Preisrichtern unbemerkt hatten sich vor etlichen Jahren angeschobene Kehllappen beim goldbraunen Farbenschlag eingeschlichen. Da standen seinerzeit wie aus heiterem Himmel bei einer Hauptsonderschau in Wabern-Harle bei 80 Hähnen nur noch fünf ohne diesen Mangel. Gesehen, gehandelt und schon im nächsten Jahr ging es aufwärts, das Verhältnis war gedreht, der Blick konnte sich wieder auf andere züchterische Belange richten. Der Zuchtstand ist heute hoch und vor allem der weiße Farbenschlag hat eine rasante Entwicklung gemacht. Formvollendet zeigen sich beide Geschlechter und heben sich klar von den weißen Zwerg-Barneveldern ab. Die goldbraunen Zwerg-New Hampshire ziehen nach und legen etwas an Rückenläge zu, ohne andere Attribute zu verlieren.

Na, auf den Geschmack gekommen und neugierig auf diese Rasse geworden? Der SV der Zwerg-New Hampshire-Züchter würde sich freuen. Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen, großen Anteil an der Entwicklung der Rasse haben unsere Zuchtwarte Willi Meyer aus dem lippischen Lage, Hans Amelsberg aus Leer in Ostfriesland, Willi Schlake aus Twistringen, der stellvertretende Zuchtwart Henner Oestreich aus Darmstadt-Arheilgen und die heutigen Amtsinhaber Hans-Jürgen Vockenberg aus Werra-Suhl-Tal sowie und der heutige stellvertretende Zuchtwart Roland Heß aus Bad Salzungen-Kaltenborn. Drei Vorsitzende hat der SV bisher. Nach Paul Stemmler folgen Heinrich Schlottmann aus Lübbecke und Peter Jahn aus Hessisch Oldendorf, der seit 1981 an der Spitze steht. Zunächst mit Irmgard Riedel aus Rethem-Aller, Regina Bongart aus Iserlohn und danach über mehr als zwei Jahrzehnte mit Dieter Kinzler aus Offenbach als Geschäftsführer. Heute ist der Marburger Heinrich Schwitalla stellvertretender Vorsitzender im Sonderverein.